Die Demokratie ist ein erfolgreiches politisches Konzept? Ja! Aber nicht nur. „In der Demokratisierung von Finanz- und Anlagemärkten stecken unfassbar große Potenziale für die Anleger und die Gesellschaft“, sagt Matthias Willenbacher im Berliner Büro seiner Stiftung „100 prozent erneuerbar“. Aber lohnt es sich, die Chancen und auch die Risiken des Crowdinvesting, bei dem jeder mit einem kleinen Betrag in zukunftsweisende Projekte einsteigen und sich  lukrative Renditen sichern kann, zu durchleuchten?

200 Millionen Euro haben deutsche Anleger 2017 in zielgerichteten Crowds investiert. Mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. So hat es die unabhängige Datenbank Crowdinvest.de ermittelt. Der Schwarm investiert dabei am liebsten über Plattformanbieter in drei Sparten: Immobilien, Unternehmen und Energie. Langfristig könnte sich der Crowdinvesting-Markt auf eine Milliarde Euro verfünffachen, schätzt eine Studie im Auftrag des Bundesfinanzministeriums.

Fakt ist: Die Schwarmfinanzierung macht sich gerade auf, die Finanzbranche zu revolutionieren. Spannend ist das nicht nur für junge und etablierte Firmen, die so ihre Kreditfinanzierung ergänzen und enorm beschleunigen können. Sondern auch für Anleger, die selbst bestimmen wollen, für wen sie das Geld mit dem für sie größtmöglichen Sinn und der dafür angemessenen Rendite arbeiten lassen wollen. Dabei locken in Nullzinszeiten Renditen von fünf bis 11  Prozent. Dass ein Totalverlust möglich ist, schreckt immer weniger Anleger ab.

Einfach, direkt und online

Auf dem Immobilienmarkt ist Exporo aus Hamburg die mit Abstand erfolgreichste Plattform, die Projektentwickler und private Anleger zusammenbringt. Anleger können sich ab 500 Euro an Immobilienprojekten beteiligen, die bisher institutionellen und anderen finanzstarken, professionellen Investoren vorbehalten waren. Das Dabeisein wird so einfach wie möglich gestaltet: Das gewünschte Immobilienprojekt auf der Internetseite der Plattform auswählen. Und nach ein paar Klicks gibt es zum Beispiel für eine kurze Laufzeit von 12 bis 36 Monaten eine feste Verzinsung von fünf bis sechs Prozent.

„Exporo hat seit der Gründung 2014 über 223 Millionen Euro Kapital online vermittelt, 130 Immobilienprojekte erfolgreich finanziert, über 57 Millionen Euro Kapital an seine Anleger zurückgezahlt“, sagt Vorstandsvorsitzender Simon Brunke*. Das Geschäftsvolumen wächst stetig. Im ersten Halbjahr 2018 hat Exporo nahezu den Umsatz aus dem Vorjahr erreicht.

Als Branchen-Primus für digitale Immobilieninvestments sei Exporo angetreten, den Immobilien-Markt zu demokratisieren, sagt Brunke, sprich: es jedem zu  ermöglichen, sich an konkreten Projekten zu beteiligen: „Einfach, direkt und online.“

Das sei ein Win-Win-Prinzip für alle Beteiligten. „Die Immobilienunternehmen erhalten Kapital zur Realisierung ihrer Projekte. Die Anleger profitieren vom Zugang zu einem zuvor verschlossenen Markt, von  transparenter Information und einer schlanken Onlineabwicklung. Und Exporo erhält eine Vermittlungsgebühr von den Bauträgern, deren Objekte wir für die Crowd auswählen.“

Das Exporo-Team hat über 100 Mitarbeiter. Darunter sind mehr als 30 erfahrene Immobilienexperten, die neben den handelnden Personen die Wirtschaftlichkeit, die Finanzierung und das Marktumfeld jedes eingereichten Projektes auf die gleichen Datenpunkte prüfen würden wie eine Fremdkapitalfinanzierende Bank, versichert Brunke.

Eine typische Geschäftsstruktur? Bevor die Crowd einsteigt, hat der Projektentwickler den Kredit von der Bank, benötigt aber noch etwas mehr Eigenkapital. Das investiert die Crowd. Und die Immobilie kann gebaut werden. Wenn später die einzelnen Wohneinheiten verkauft sind, werden die Bank und auch die Crowdinvestoren ausbezahlt, inklusive der versprochenen Rendite. Wenn alles nach Plan läuft. Wenn nicht, erhält im Regelfall erst die Bank ihr Geld, dann kommen die Anleger aus dem Schwarm an die Reihe.

Bei aller Leidenschaft für sichere, gute Engagements: Die Bundesanstalt für Finanzdienstaufsicht warnt Anleger, davon auszugehen, beim Crowdinvesting  unmittelbar in „sichere Sachwerte“ zu investieren. „Tatsächlich wird Ihre Anlage im Insolvenzfall wie Eigenkapital behandelt, also nachrangig“, sagt Hartmut Schwarz, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Heißt: „Im Ernstfall ist das Geld weg.“ Diversifizieren, verteilen, nie zu viel in ein einzelnes Projekt stecken, rät Schwarz. Und natürlich die gewählte Plattform im Vorfeld sehr genau zu überprüfen.

Nicht nur in Immobilien kann die Crowd investieren, sondern nach dem gleichen Prinzip auch in Unternehmen und Zukunftsprojekte.

Eine Million Euro in weniger als zehn Minuten

Einer der erfolgreichsten Anbieter im Unternehmens-Crowdinvesting ist die Plattform Kapilendo, die den Finanzierungsbedarf von etablierten Wachstumsunternehmen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen mit privaten Anlegern zusammenbringt und im vergangenen Jahr dreistellig gewachsen ist. Der Bundesligist Hertha BSC sammelte mit Kapilendo live im Stadion eine Million Euro in weniger als 10 Minuten ein.

„Wer als Investor nach einer interessanten Ergänzung für ein bereits vorhandenes Aktien- und/oder Anleiheportfolio sucht oder nach einer Alternative zum klassischen Festgeld, der findet im Crowdlending ein attraktives Anlage-Konzept“, sagt Christopher Grätz, CEO und Co-Founder der Kapilendo AG mit Sitz in Berlin. „Eine Anlage ist bereits ab 100 Euro möglich. Dadurch erfolgt die Diversifikation des Portfolios schon bei geringer Investitionssumme.“ Anleger können bei Kapilendo Projekte mit Renditen zwischen vier bis 11 Prozent wählen.

Grätz: „Die weit mehr als hundert Projekte, die wir bisher über unsere Plattform abgewickelt haben, haben alle dasselbe Zins-Risiko-Verhältnis. Ist nach den Ergebnissen unseres Ratings das Risiko höher, ist es auch der Zinssatz. Ist die Laufzeit länger, fällt die Verzinsung höher aus.“

Zusammen mit kleinem Einsatz Großes erreichen

Für Matthias Willenbacher, Energiewende-Visionär und Gründer eines der führenden Projektentwicklungsunternehmen für erneuerbare Energien, ist die Demokratisierung der Finanzmärkte eine riesige Chance für Anleger und nachhaltige Projekte.

So ist Willenbacher davon überzeugt, dass die Energiewende nur gelingen kann, wenn sie von den Bürgern selbst ausgeht. Nachhaltiges Crowdinvesting ist für ihn das perfekte Tool, das diese Mission und ihre Förderer gleichermaßen voranbringt.

Seine Firma, die wiwin GmbH, ist mit einem Marktanteil von 38 Prozent, die führende Crowdinvesting-Plattform für Kapitalanlagen in erneuerbare Energien in Deutschland**. „Unser Ziel ist es, einen wesentlichen Beitrag zum Umbau der Geldanlage zu leisten: weg vom anonymen ‚Geld abgeben’, hin zum bewussten Anlegen in nachhaltige Werte.“

Was Investitionen ab 100 Euro möglich machen können, beweist Sono Motors, das aktuell spannendste Projekt auf Willenbachers Plattform. „Sono Motors entwickelt den Sion, das erste serienmäßig produzierte Elektroauto, das seine Batterie durch die Sonne lädt.“ Eine Idee, die Willenbacher sowohl als Investor unterstützt, als auch mit einer Crowdinvesting-Kampagne auf wiwin GmbH, die große Nachfrage findet.

„Weil alle unsere Projekte bisher erfolgreich gelaufen sind, ist es noch nie zu einem Ausfall von Tilgungen oder fest vereinbarten Zinszahlungen gekommen“, sagt Willenbacher. So, wie man bei Aktien nicht alles auf eine Aktie setzen sollte, so sollte man auch beim Crowdinvesting in unterschiedliche Projekte aus unterschiedlichen Branchen investieren. Und in weitere Anlageprodukte.

„Am Ende haben Anleger mit ihren Investitionsentscheidungen einen enormen Einfluss auf die Entwicklung unserer Gesellschaft“, ist Willenbacher überzeugt, „indem sie ökologische oder soziale Projekte unterstützen, bringen sie die Crowd an die Macht.“

Bei Exporo kann man seit Anfang des Jahres auch „digitaler Teileigentümer“ von Bestands-Immobilien werden. Vorstand Brunke: „So haben Anleger schon ab einer Anlagesumme von 1.000 Euro die Chance, wie ein Eigentümer, sowohl Einnahmen vom laufenden Cash-Flow durch Mieteinnahmen zu generieren als auch an der Wertentwicklung der Immobilie zu partizipieren.“

Fragt man Simon Brunke, welches Projekt ihm besonders am Herzen liege, muss er nicht lange nachdenken: „Besonders habe ich mich auf die Kita in der Innenstadt von Hamburg gefreut, die 238 Kindern eine tolle Tagesstätte bietet und mir eine quartalsweise Ausschüttung von ca. 4,5 Prozent sowie eine Beteiligung an der Wertentwicklung der Immobilie garantiert. Wer kann schon behaupten, ihm gehört ein ‚Stück‘ Kita in Hamburg – noch dazu 20 Jahre fest vermietet?“

* (Zahlen Exporo, Stand 15.8.2018)
** (Crowdinvest-Report 2017)

Text: Anne Nürnberger

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