Das Gespräch mit dem Patienten ist eines der wichtigsten Instrumente für eine gute Diagnostik und die Stärkung der Compliance. Für die Abrechnung von allgemeinen Beratungsleistungen stehen zwei Gebührenordnungspositionen zur Verfügung, die Nummern 1 und 3 GOÄ. Bei deren Anwendung sind folgende Einschränkungen zu beachten:

– Die Gebührenziffer 1 kann im Behandlungsfall neben den Leistungen aus Abschnitt C bis O nur einmal berechnet werden. Ein neuer Behandlungsfall entsteht durch eine Neuerkrankung oder bei deutlicher Befundverschlechterung. Liegt ein neuer Behandlungsfall vor, kann die Ziffer 1 erneut auch neben sogenannten Sonderleistungen abgerechnet werden. Ein Hinweis auf Neuerkrankung sowie die Diagnose müssen in der Rechnung angegeben werden.

– Wird die Beratung auf Wunsch des Patienten außerhalb der Sprechstunde erbracht, können zusätzlich die Zuschläge A bis D angesetzt werden. Ist aus Gründen des Behandlungsfalles die Leistung nach Ziffer 1 nicht berechnungsfähig, kann der Zuschlag trotzdem mit einem entsprechenden Hinweis angesetzt werden.

– Dauert eine Beratung 10 Minuten oder länger, kann aber aufgrund der Ausschlussregel Ziffer 3 nicht berechnet werden, so kann Ziffer 1 mit einem höheren Steigerungsfaktor bis zum 3,5-fachen des Einfachsatzes mit Angabe der Zeitdauer zum Ansatz kommen. Wir empfehlen, eine Staffelung vorzunehmen. Beispiel: 10 min = 3,0-fach; 15 min = 3,2-fach; mehr als 15 min = 3,5-fach.

– Auch bei der Abrechnung der Ziffer 3 empfehlen wir eine Staffelung des Steigerungssatzes vorzunehmen: 15 min = 2,8-fach; 20 min. = 3,2-fach; mehr als 30 min = 3,5-fach.

– Eine Beratung kann, wenn erforderlich, mehrmals am Tage abgerechnet werden. Notwendig ist dann die Angabe der Uhrzeit. Ein Beispiel ist die telefonische Laborbefundbesprechung.

– Grundsätzlich gilt, dass die Beratung eine nicht teilbare Leistung ist. Werden in einer Sitzung mehrere Beratungen notwendig, etwa vor und nach einer Untersuchung oder eine kurative Beratung neben Prävention, kann sie dennoch nur einmal abgerechnet werden. Begründet ist dann aber die Anwendung eines Steigerungssatzes.

– Prüfen Sie, ob möglicherweise die Gebührenziffer 34 „Erörterung (Dauer mindestens 20 Minuten) der Auswirkungen einer Krankheit auf die Lebensgestaltung …“ oder Ziffer 849 „Psychotherapeutische Behandlung …, Dauer mindestens 20 Minuten“ anstelle einer allgemeinen Beratungsleistung in Frage kommen kann.

– Für Gebührenziffer 1 gelten Ausschlussziffern. Sie kann neben den Ziffern 2, 3, 21 – 34, 45, 46, 48, 50 – 51, 376 – 378, 435, 448, 449, 804, 806 – 808, 812, 817, 835, 849, 861 – 864, 870 – 871, 886, 887 nicht zum Ansatz gebracht werden.

– Auch für die Abrechnung von Ziffer 3 bestehen Einschränkungen. Ziffer 3 kann nur als einzige Leistung oder im Zusammenhang mit den Leistungen nach den Nrn. 5, 6, 7, 8, 800 oder 801 abgerechnet werden.

Wann kommt Nr. 804 GOÄ zum Tragen?

Ziffer 804 bezieht sich auf eine psychiatrische Behandlung. Sie kann deshalb nur bei vorliegender psychiatrischer Diagnose abgerechnet werden. Auch analog kann Ziffer 804 nicht herangezogen werden, da es durch vorhandene Beratungs- und Erörterungsleistungen in der GOÄ dafür an der Voraussetzung der Analogabrechnung einer im Gebührenverzeichnis nicht vorhandenen Leistung (§ 6 Abs. 2 GOÄ) fehlt. Wir empfehlen, für zeitaufwendige Therapie- Erörterungen Ziffer 3 oder Ziffer 34 anzusetzen. Zu beachten sind allerdings die spezielle Leistungslegende und die Mindestgesprächsdauer der Abrechnungsziffern. Bei Ziffer 3 sind es zehn Minuten, bei der Ziffer 34 werden 20 Minuten vorausgesetzt.  

Text: Peter Gabriel

Die vollständige Ausgabe der Zifferdrei finden Sie hier als PDF-Datei zum Download.